On the road again

Wie jeden Morgen sitze ich im Bus zur Arbeit. Vor mir liegt eine lange Fahrt mit viel Landschaft und kreischenden Teenagern. Aber noch ist es ruhig.

Seit ich mich entschlossen habe dem Schichtdienst den wehen Rücken zu kehren ist mein Arbeitsweg recht lang geworden. Dafür habe ich geregelte Arbeitszeiten und jedes Wochenende frei. Nicht zu vergessen ein Platz in einem Zweierbüro und eine eigene e-mail-Adresse. Letzteres scheint für manche Leute ein wichtiges Kriterium zu sein, warum auch immer. Ich bin zuständig für die Hygiene in einer Seniorenresidenz. Also die Kategorie „Mitarbeiter die gerne mal nerven“. („Wie beruhigend dass du diesmal nur einen Kaffee wolltest“). Dafür habe ich einen ganzen Schrank voll Desinfektionsmittel und anderem Schnickschnack.

Woran ich mich definitiv gewöhnen musste: Ich habe die morgens gewählten Kleidungsstücke den ganzen Tag an. Man glaubt ja nicht wie viele T-Shirts in die Kategorie „Irgendwie ungeeignet“ fallen…

Was mich in diesem Bus ungemein fasziniert: Die verschobene Betonung bei der Ansage der Haltestellen. Als wäre man in einem Paralleluniversum in dem alles leicht verrutscht ist. Bus 220-das Tor zu einer anderen Dimension. „I’ll take your brain to another dimension. Hold it, take close attention“

Und ich wäre ja sehr dafür, neben der Maskenpflicht auch eine Verpflichtung zu rudimentärer Grundpflege einzuführen. Wie ich nach dem Einsteigen des jungen Mannes eben darauf komme weiss ich jetzt auch nicht.

Ob die Busfahrer die immer so euphorisch dem Gegenbus winken wirklich miteinander befreundet sind? Oder macht man das eben so? Lichthupe halte ich persönlich für übertrieben. Ebenso wie anhalten und dem anderen ins Fenster brüllen. In der Gegenrichtung ist es auch warm. Wer hätte das gestern Mittag gedacht?

So, jetzt muss ich noch ein wenig die Stille genießen bevor gleich die Schüler den Bus entern. Was haben wir uns damals eigentlich kreischend gezeigt? Handys gab es ja noch nicht. Gott sei Dank-mir ist zu Schulzeiten das Elend einer WhatsApp Gruppe erspart geblieben.

Update Rückfahrt.

Laut Uhr im Bus ist es 10:24. Das Tor zur anderen Dimension hat sich also wieder geöffnet.

Notiz an mich: Kein Sauerkraut mehr zum Mittagessen.

Vorne im Bus spielt sich mal wieder das Drama des Fahrscheinkaufs ab. Unübertroffen ist und bleibt aber der junge Mann der eines Morgens um kurz nach fünf ein Einzonenticket im Stadtbus mit einem Hunderter bezahlen wollte…

Die Kombination Radlerhose, Fahrradhelm und MNS ist vom Gesamtkonzept her als schwierig anzusehen. Besonders wenn das zur Bekleidung gehörende Fahrrad gerade mit im Bus fährt. Oder beim RegioRadler hinten dran hängt. Ich empfehle dringend Haltestellen die als Verladestation für diese Art des Transportes vorgesehen sind zu meiden. Oder wenn es sich nicht vermeiden lässt viel Zeit mitzubringen. Es kann ein wenig dauern bis alle beweglichen Teile abgebaut sind, die Fahrradkörbchen zum Bus getragen und die Frage des günstigsten Tickets geklärt wurde. („Man empfahl uns ein Fünferticket, aber wir sind auch offen für Alternativen“).

Und so fahre ich umgeben von Fahrradhelm tragenden Menschen mit Fünfertickets dem Feierabend entgegen…

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