Out and Proud

Hier noch ein Nachtrag zum gestrigen Coming Out Day. Eigentlich wollte ich noch eine Nase mit einem Einhorn machen, aber die hatte ich schon alle aufgegessen. Es ist jedenfalls sehr befreiend, zu dem zu stehen was man lebt und liebt. Auch wenn es immer noch genug Menschen gibt die ihre Probleme damit haben. Bisexualität im besonderen ist ja so eine Sache. Man wird nicht immer ernst genommen und erfährt auch gelegentlich Ausgrenzung von den „richtigen“ Homosexuellen. Ich habe aufgehört mich dafür zu rechtfertigen dass ich auch mit Männern schlafe. ( Es sind nicht alle furchtbar). Und wenn es nur eine Phase ist dann hält sie schon verdammt lange an. Mit open end. Die Grundhaltung des Gegenüber zu dem Thema lässt sich an der Reaktion auf die Erwähnung der „Ex-Freundin“ festmachen. Da gibt es interessante kurze Entgleisungen der Gesichtszüge und vielsagende Augenbrauen. Sehr verräterisch ist auch immer das Überbetonen von kein Problem damit haben. Ich werde jedenfalls niemals das Geschlecht eines geliebten Menschen im Gespräch ändern nur damit niemand sich in seinem Weltbild gestört fühlt.

Wir fahren mal wieder im Schein der Notbeleuchtung durch die Dunkelheit. Das hat ein bisschen was Gruseliges. Andererseits kann ich mich dann noch ein bisschen meiner Müdigkeit hingeben…

Wie ich heute morgen wieder einmal feststellte hat es auch seine Vorteile unter rezidivierenden depressiven Episoden zu leiden. Man entwickelt eine gewisse Selbstdisziplin um das Funktionieren nach außen hin zu gewährleisten. Und die funktioniert auch außerhalb der schlimmen Phasen. Es wird aufgestanden, geduscht und was ordentliches angezogen. Man steht pünktlich an der Bushaltestelle und fährt zur Arbeit. Der äußere Rahmen muss stimmen, sonst kippt es ganz schnell ins Unschöne. Ich habe momentan kein Bedürfnis danach, irgendwann wieder bei der Einweisung ins Krankenhaus auf die Frage „Wann haben Sie zuletzt etwas gegessen?“ mit „Keine Ahnung, irgendwann letzte Woche?“ antworten zu müssen. Wenn ich das Monster schon nicht töten kann, dann kann ich es wenigstens mit antrainierter Disziplin in Schach halten. Momentan schläft es und stört höchstens mal wenn es sich umdreht. Das kann gerne so bleiben.

Aha, das Innenlicht funktioniert anscheinend doch. Bin gerade ein wenig erschrocken als es plötzlich hell wurde. Und schon ist es wieder dunkel.

Die Turteltaube ist Vogel des Jahres. Sie hat es ja ein bisschen schwer im Moment mit der Abstandsregel. ( Der war schlecht, ich weiss, ich weiss).

„Sitting in the kitchen, eating immediate meals with the curtains closed“ ist ja auch was Feines. Findet zumindest Jarvis Cocker. „Ciao“ von Lush ist insgesamt sehr genial. Dialog eines getrennten Paares dass sich gegenseitig versichert nach der Trennung überglücklich zu sein. „I’ve been so happy since I walked away…“

Licht an, Licht aus. Es kommt zu keiner Entscheidung von Dauer. Wahrscheinlich gibt es da einen geheimen Plan der eingehalten werden muss. Oder ab und zu muss kontrolliert werden ob noch alle Fahrgäste da sind. Es wird ja häufig während der Fahrt ausgestiegen, das ist ja ein bekanntes Phänomen. Oder sind wir womöglich ein Partybus mit Discobeleuchtung? Wenn ja, ist die Stimmung durchaus ausbaufähig…

Haltestellenschild, Mülleimer, Briefkasten. Der ideale Ort für einen Zwischenhalt.

Mir ist so fad. Aber wenigstens konnte ich gerade feststellen dass meine BWL-Klausur vom Samstag angenommen wurde. Ich hatte nämlich ein technisches Problem beim Hochladen und war dadurch ein paar Minuten zu spät, was ich aber erklären konnte. Es wäre ziemlich blöd gewesen einen Fehlersuch zu kassieren weil die Technik versagt. Zumal ich die Fragen erstaunlich gut verstanden habe und ziemlich sicher bin dass es zum Bestehen gereicht hat. Auch wenn ich mit geerbten 20.000 Euro keine Coachingagentur gründen würde. Bei meinem Essay in Marketing bin ich mir nicht so sicher. Aus dem Stegreif ist mir zu „Marketingstrategien für HNO-Ärzte in Coronazeiten“ nichts wirklich brillantes eingefallen. Dafür waren die Wissensfragen extrem einfach. Oder nicht bemerkte Fangfragen zum Marketing von Apotheken und HNO-Ärzten. Warum eigentlich ausgerechnet HNO-Ärzte? Und warum deren Marketing, wo sie doch keine Werbung machen dürfen? Die Falle habe ich dann schon bemerkt! Hat es nicht einfacher gemacht…

„I don’t like Mondays“ darf ja heute morgen in der playlist nicht fehlen. Ein Schulamoklauf wie dort geschildert ist heute eher unwahrscheinlich. Es sind tatsächlich Herbstferien. Die Haltestellen sind so gut wie leer. Meine kreischenden Freunde schlafen noch. Seit wann sind die Herbstferien eigentlich zwei Wochen lang? Zu meiner Zeit war es nur eine. Aber wir hatten ja auch noch Samstags Schule, Pfingstferien und am 17.Juni frei. Damals. Als ich noch nicht in einem dunklen Bus durch die Weinberge fuhr um Geld zu verdienen.

„When I was a very small boy very small boys talked to me“. Auch so eine Liedzeile für die Ewigkeit…

Update Rückfahrt

Neben mir bewerfen sich ein paar Halbwüchsige mit Kastanien und Nüssen. Das ist anscheinend unfassbar lustig. Und es ist irgendwie rührend wie sie sich immer entschuldigen wenn eines der Geschosse in meiner Nähe einschlägt.

Dialog im ersten Bus: „Gehen Sie nach wo draufsteht?“ „Nein, ich wollte eigentlich den Bus dahin fahren.“

So, jetzt bin ich endlich in meinem Bus nach Hause. Ich freue mich auf meine Couch und mein Bett. Irgendwie war der Tag heute etwas anstrengend. Die steigenden Fallzahlen beunruhigen…

Irgendwie ist bei diesem Unternehmen der Anteil an glatzköpfigen Fahrern sehr hoch. Den hier kenne ich noch nicht. Oder doch? Manchmal lassen sie sich ob ihrer Haarlosigkeit schwer unterscheiden.

Die Sonne bringt es an den Tag: Meine Brille ist total vertatscht. Ich glaube ich habe seit 1979 nie länger als einen halben Tag eine saubere Brille gehabt. (Aber wenigstens bin ich aus der Phase der zerkratzten Kunststoffgläser raus). Und warum habe ich nicht so ein Ding zum Runterziehen an der Scheibe?

Hat eigentlich mal jemand gezählt wie viele Weinreben hier an der Strecke stehen? Das würde mich mal interessieren. Aber vermutlich nur mich, weshalb es wohl eher kein verlässliches Zahlenmaterial gibt. Ob es wohl eine gerade oder eine ungerade Zahl ist?

Hier noch ein gerade fotografierter echter Regenbogen. Mit Böschung und ohne Topf voll Gold.

Wäre ich Edward Cullen würde ich jetzt glitzern wie bekloppt. Und wäre in Kristen Stewart verliebt. Bevor das geschieht fange ich noch eher an zu glitzern.

So, jetzt wird mal wieder der Bus gelüftet und eine geraucht bevor die letzte Etappe genommen wird.

Ich kann nur ahnen wie laut ich gerade gelacht habe. Und nur weil ich mir vorgestellt habe wie die Leute im Bus reagieren würden wenn ich tatsächlich anfinge zu glitzern…

Hunger, Pippi, Kalt. Und das alles mit schlimmer Frisur. Mädchen sein ist nicht immer leicht.

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