Am Heiligen Bahnhof

Heute schreibe ich nachdem ich bereits heiligen Boden betreten habe. Dann kann ja nichts mehr schiefgehen…

Der Bus riecht mal wieder nach Desinfektionsmittel dass es eine Freude ist. Und der Fahrer (mit ohne Haare) hat heute auch den Lichtschalter gefunden. Zumindest für den Moment. Ach, es ist ihm gerade aufgefallen wie hell es ist.

Eigentlich müsste ich ja gar nicht mehr arbeiten, denn ich bin jetzt reich nachdem ich heute morgen zwei von jemandem vergessene Euro aus dem Zigarettenautomat gefischt habe. Da helfen mir meine Kenntnisse zur Aufstellung eines Finanz-und Investitionsplans endlich mal praktisch weiter.

Gestern abend hatte ich dann noch unfreiwillig die Möglichkeit meine aktuelle Reaktion auf ein sehr emotionsbehaftetes Lied zu testen. Und es geschah-nichts. Kein Schlag in die Magengrube, kein Heulen, keine Bilder. Einfach nur gute Musik. Der Scheiss wäre dann wohl auch überwunden.

Jawoll, einmal herzhaft in den Mundschutz geniest! Da kommt Freude auf.

Und wie immer wird rechtzeitig abgebremst damit die Smileygeschwindigkeitsanzeige an diesem Ortseingang zufrieden ist.

Expertentipp: Aushänge immer laminieren oder sonstwie einpacken wenn die Fläche regelmäßig desinfiziert wird. Sonst sieht es irgendwann aus wie Horst und das Papier ist immer noch kontaminiert. Der Hinweis, Abstand zum Fahrer zu halten ist neu. Handytickets sind im übrigen nur dann sinnvoll, wenn der Fahrer einem dann nicht das Handy wegholt um die Gültigkeit zu überprüfen. Nur mal so am Rande…

Die Zeitkapsel offenbart wieder ihre Schätze: „The roof, the roof, the roof is on fire…“

Hello Briefkasten my old friend, I’ve come to halt next to you again.

Die Dunkelheit hier macht mich gerade irgendwie schrecklich müde. Aber langsam wird es draussen hell, welch ein Trost.

Radiohead sind ja auch manchmal schwer zu ertragen. Dieser leiernde Gesang kann ganz schön nerven. „Kaaaarma Pooooliiiice. I’ve given aaaalll I caaaaan but nooooot eeeeeenough“.

Ich vermisse die kleinen Racker die normalerweise jetzt schon für Stimmung sorgen würden.

„This song is dedicated to all the ravers in the nation“. Selten war ich so weit von der Stimmung eines rave entfernt wie in diesem Moment. Sleepparade statt Loveparade. Und irgendwie nimmt die Fahrt kein Ende.

Schröcklich, schröcklich…

Update Rückfahrt

Natürlich sind wir dann irgendwann angekommen. Und jetzt fahre ich wieder zurück.

Der heutige Fahrer hat zur Abwechslung mal sehr viele Haare. Und eine äußerst interessante Sitzhaltung.

„Give me a reason to love you. Give me a reason to be a woman.“ Portishead sind auch sehr erinnerungsbehaftet. Dieses Lied war Teil einer Tonaufnahme im Zuge eines „Ich wüsste mal gerne was wir betrunken und bekifft (Ja, ich war auch mal jung!) so reden“-Experiments. Mein lieber Londoner Mitbewohner und ich haben sehr seltsames geredet (was aber auch ohne Stimulanzien vorkam) und auch gesungen. Unter anderem Portishead. Zweifelloser Höhepunkt der an Sternstunden nicht armen Aufnahme war dann aber „Entre dos tierras“ von Heroes del Silencio. „Ich kann gar kein Spanisch!“ „Egal, Lied ist geil!“ Ergebnis des Experiments: Manches will man dann rückblickend doch nicht so genau wissen. Den genialen Plan eine Weihnachtssingle aufzunehmen haben wir dann doch verworfen…

Heute kam ich mir auf der Arbeit vor wie der Sprecher in einer Liveschalte bei einem Grossereignis. Ich schulte ein Update zur Schulung von letzter Woche. Und bekam einen Zettel mit einem Update gereicht. Und zehn Minuten vor Feierabend kam noch eins per mail das morgen früh wahrscheinlich schon wieder ein Update hat. Langweilig wird mir dank Corona momentan jedenfalls nicht…

Dieser Bus hat keine Betonverschiebungsfrau und keine Supidupiultramoderne Anzeige. Und die Uhr geht eine Minute nach. Wo kann ich mich ob dieses antiquierten Gefährts dessen Sitze riechen als wäre jemand darin gestorben (leicht übertrieben) beschweren? Wenigstens sind Schaufel und Besen vorhanden.

Im Bus vor uns einer der Fahrer mit ohne Haare. Welch Überraschung. Es wird mal wieder gestenreich diskutiert am zweiten Haltepunkt.

Ich habe Hunger. Obwohl ich heute mittag ein Schnitzel mit Pommes hatte. Und ein Stück Kuchen. Und eine Mandarine. Fühle mich gerade total influencermässig wie ich so mein Essen aufzähle. Fotos mache ich aber nur Donnerstags. Da muss ich einen Speisentest machen und u.a. ein Foto hochladen. Allerdings nicht bei Instagram.

Hach, die nette Metzgerei. Die Werbung für den Partyservice ist ja auch nur dezent sexistisch. Aber wahrscheinlich wollen alle Frauen im Grunde ihres Herzens mit Fleischbrocken gefüttert werden während sie ein Negligee tragen. Was weiss ich schon?!

Wir nähern uns mit schnellem Reifen der Strasse die dereinst Adolf-Hitler-Strasse hieß. Gott sei Dank! (Also dass wir uns nähern, nicht dass die Straße mal so hieß).

Herr Honk, es ist nicht besonders clever für die nächste Haltestelle zu drücken wenn der Bus noch an einer steht. Merkste jetzt selbst?! Supi, dann kann es ja weitergehen!

Jetzt kommt das letzte Stück. Das wir neulich hupend mit einem fluchenden Busfahrer gefahren sind. Warum hat sich mir nicht erschlossen. War aber lustig.

GESCHAFFT!!!! Und der Bus in den Süden ist auch schon da. Perfekt.

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