Moderne Kommunikation

Wie ich heute morgen feststellte bedient sich die Bahn seit Neustem modernster Kommunikationsmittel. Wer braucht da noch elektronische Fahrplananzeigen? Und künftig wird vermutlich auch jede geänderte Wagenreihung entsprechend kommuniziert.

Nach einem Wochenende voller Quengeligkeit und schlechter Laune hat wieder eine neue Woche begonnen. Ich sitze im Bus und lasse mich durch die Dunkelheit fahren. Hilft ja nix…

Nachdem ich am Samstag beim Einkaufen den Satz „Ich habe da einen interessanten Artikel zur Atemtherapie gegen die Ansteckung mit Corona gelesen, kann ich dir gerne mal schicken“ hörte, bin ich überzeugt davon dass die Evolution das Virus nutzt um einen Schnitt zu machen und nochmal bei Null anzufangen. Denn irgendwas scheint da ja nicht so wie vorgesehen gelaufen zu sein…

Und noch eine Erkenntnis vom Samstag: Es gibt doch mittlerweile Apps für so ziemlich alles. Warum ist es dann nicht möglich, eine zu programmieren die einen warnt wenn bestimmte Leute mit gleichem Ziel das Haus verlassen? Das würde sovieles einfacher machen. Man müsste zum Beispiel nicht noch ewig im Supermarkt rumlungern weil man jemanden in der Kassenschlange gesehen hat dem man nicht begegnen möchte. Und dabei dann (Hallo Karma!) jemanden treffen der mindestens genauso anstrengend ist.

Vorne quakt wieder ein Radio, das Licht ist an und die üblichen Mitfahrer sitzen auf den immer gleichen Plätzen. „Sweet dreams are made of this…“

Jetzt wird vorne mal wieder telefoniert. Es ist der Fahrer vom letzten Donnerstag. Oder sein Lachzwilling. Ääääh ist anscheinend ein internationaler Laut. Und Corona heisst auch im slawischen Sprachraum Corona.

Und tschüss, Bus in die andere Richtung dessen Fahrer offensichtlich wie der unsere nicht raucht. Dein Losfahren ist auch für uns das Zeichen zum Aufbruch…

Huch, ein Gegenbus wie aus dem Nichts. Praktischerweise an einer Stelle wo ein Bus alleine kaum durch kommt. Man spielt mal wieder mit grossen Gesten „Wer fährt rückwärts?“ Wir sind es diesmal nicht…

Aha, heute mal Halt zwischen den beiden roten Bushäuschen. Man diskutiert am Telefon anscheinend gerade über ein „Subway“ Sandwich. Und jetzt geht es wohl um Bananen. Ja, da zeigt sich mal wieder welch ein Meilenstein die Erfindung des Mobilfunks für die Menschheit war…

Und da stehen sie wieder an der Haltestelle: Die so sehr vermissten lieben Kleinen! Die Invasion hat begonnen! Ab jetzt werden sie sich wieder vermehren um sich dann an meiner Umsteigehaltestelle mit dem Inhalt anderer Busse zu einem riesigen Schwarm zu vereinen.

Gerade schwirrt die Frage „Was machen wir denn heute ausser dauernd Fenster auf?“ durch den Bus. Grundsätzliches wurde also schon verstanden…

Update Rückfahrt

Ich warte mal wieder auf den Bus zurück der hoffentlich demnächst hier vorbeifährt. Und dann zügig wieder zurück kommt. Ich erwarte ja schon lange keine pünktliche Abfahrt mehr. Einmal wartete ein schwäbisches Ehepaar mit mir das völlig entsetzt war als ich sie darauf hinwies dass der Bus eigentlich nie ganz pünktlich ist. „Des kenne mir von dahoim nedde“. Ich empfehle einen Urlaub in der Eifel-da gibt es Busse die fahren nur an Schultagen in ungeraden Wochen…

So, er ist auf dem Weg zur letzten Haltestelle vorbei gekommen. Leider konnte ich den Fahrer nicht erkennen, manchmal kann man daraus schon schliessen wie lange er fürs Wiederkommen braucht. Auch wieder so ein Fall für „Expertentum das die Welt nicht braucht“!

Der Bus kam recht zügig zurück, es ist der Fahrer mit den außergewöhnlich vielen Haaren und der seltsamen Sitzhaltung. Und er hat tatsächlich die Heizung angemacht.

Thomas Oppermann hatte sich seinen Abschied vom Bundestag dann wohl doch etwas anders vorgestellt. Er war lange vor mir Freiwilliger bei „Aktion Sühnezeichen“. Ich erinnere mich an ein Grußwort von ihm bei irgendeinem Jubiläum. Irgendwie fühle ich mich mit ehemaligen Freiwilligen verbunden.

Der Versuch würdevoll in meiner Tasche nach Ladekabel und powerbank zu suchen ist gescheitert. Es sah eher aus wie ein Pfandsammler bei seiner Tätigkeit an einem Mülleimer. Wann habe ich eigentlich zuletzt ein Snickers gegessen? Lieber nicht zu intensiv drüber nachdenken…

Und wieder fährt ein Bus rückwärts. Und wo man schon mal da ist kann man sich ja auch noch ein bisschen unterhalten, die Fenster sind ja schön dicht nebeneinander. Ich habe mich wohl verhört und es fielen nicht die Worte „Wo fährst du hin?“. Dahin wo wir herkommen vermute ich mal. Steht im Zweifel auch immer drauf auf dem Bus.

Es ist schlagartig dunkel geworden. Richtig unheimlich. Der Stoff aus dem die Gothic Novels sind. Fehlen nur noch ein heulendes Käuzchen und ein einsamer Reiter. Oder passend zum Fluss neben uns ein Geisterschiff. Der fliegende Luxemburger, verdammt in alle Ewigkeit eine Flusskreuzfahrt zu machen.

Heute ignorieren wir alle Bushäuschen und sonstigen Wegmarken und fahren einfach gaaaaaaanz laaaaaangsam. Vermutlich ziehen wir eine Karawane an Autos hinter uns her die nicht überholen können. Was Traktoren können können wir schon lange!

Türen auf, Aussteigen und zum anderen Bus gehen. Der steht diesmal ausnahmsweise hinter uns. Ich verstehe leider kein Wort des Gesprächs, der kalte Abendhauch verweht alle Fetzen.

Das letzte Stück beginnt. Neben mir spricht jemand Englisch. Glaube ich.

„Viele Sitzenbleiber machten doch noch Karriere“. Ja-ha, seht mich an! Karriere ist ja auch immer eine Definitionsfrage…

Gleich sind wir da und ich kann dann bald endlich etwas essen. Und schlafen. Denn der Nachteil eines verknatscht-verschlafenen Sonntags ist die Unfähigkeit dann zu schlafen wenn man sollte. Das erhöht in Kombination mit der Zeitumstellung die Tagesmüdigkeit enorm.

So, jetzt dürfte der Sternbus dann auch mal kommen. Und hey, ich habe keine Maske an weil sich das ganz schlecht mit dem Rauchen einer Zigarette verbinden lässt. Und grade dann wenn nur einer eine Maske trägt ist die Abstandsregel angesagt mein Freund!

Jetzt sitze ich im Bus. Die Tütenfrau singt ihr Lied vom besetzten Platz, der Fahrer steht draussen zu rauchen und der Busfunk erzählt irgendwas von „Fahrgäste alle raus“ in einem anderen Bus. Das Stempelteil rattert und rattert. Und jetzt steigt noch das A-Kind mit der Esomutter ein. Die Notwendigkeit des Hinsetzens und Festhaltens wird wie üblich ausdiskutiert.

Will heim. Jetzt.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s