Hat jetzt auch noch Zeit

Ich würde sagen, dieser Restaurantbetreiber kann sich Zeit lassen.

Zu Anfang eine Warnung: Sollte dieser Text zwischenzeitlich etwas seltsam anmuten so liegt das an daran dass ich high bin. Heute morgen ist der Desinfektionsmittelgeruch außergewöhnlich stark und ich weiss nicht wie sich das Einatmen hier so auswirkt.

Ansonsten ist es dunkel wie immer, das Radio ist an und bis auf die blonde Frau sind alle da.

Ich beobachte fasziniert den Wechsel zwischen Fern-und Abblendlicht. Wie es wohl ist von einem Bus geblendet zu werden? Ich habe mal unwissentlich ein Schiff auf der Saar geblendet. Die Reaktion war beeindruckend-Lichthupe in Form eines hellen Blitzes und ein fieses Tröten. Sowas passiert einem auch nur einmal…

Wenn ich dran denke was ich heute alles zu tun habe werde ich furchtbar müde. Andererseits geht der Tag dann schön schnell rum und ich kann hoffentlich einen Bus früher wieder nach Hause fahren.

Erstes Geschwindigkeitssmiley erfolgreich passiert. Statt Lichthupe kurzer Warnblinker vom Gegenbus. Auch schön, mal was Neues.

Toll, wir haben wieder den Bus mit der quietschenden Tür erwischt. Und irgendwas klappert in den Kurven. Nicht weiter schlimm, davon gibt es hier ja praktisch keine.

Mein Freund der Briefkasten ist wohlauf und bekommt seine morgendliche Zuwendung in Form eines kurzen Anhaltens. Im Radio facen ABBA finally ihr Waterloo. Mei was schee…

Wie wohl die Nacht der Dschungelkönig-Frau war? Gestern klagte sie dass die Kinder obwohl sie sie erst um 21:30 ins Bett gebracht hatte um kurz nach sechs schon wieder wach waren. Deshalb war sie sehr müde. Nun, ich gehe selten schon um 21:30 ins Bett und bin um kurz nach sechs schon wieder unterwegs. Und zwar nicht zum „entspannten Spaziergang mit den Kids“. Und ich lebe noch! Wahnsinn!

„Meine Oma ist im Altenheim zusammengebrochen. Aber sie hatte einen Zettel geschrieben dass sie nicht auf ihr rumdrücken sollen. Deshalb ist sie gestorben.“ Irgendwie rührt mich dieses Gespräch zwischen zwei jüngeren Schülern gerade…

Strategiebesprechung wie verhindert werden kann dass die Mutter am Elternsprechtag eine bestimmte Lehrerin aufsucht. Vergesst es einfach, das Gespräch wird sowas von stattfinden.

Beim Anblick der Mädels hier an der Haltestelle kommt mir der schöne Satz aus einem Artikel über das Lüften in Schulen und die zu erwartende Kälte in den Sinn: „Die Knöchel müssen nicht unbedingt frei sein.“

Update Rückfahrt

Das mit dem früheren Bus hatte sich bereits am späten Vormittag erledigt. Ich hatte viel zu viel zu tun. Und zeitweise auch noch das Türtelefon. Es macht ja so einen Riesenspass ständig zum Haupteingang zu rennen, Leute rein zu lassen und über die Hygieneregeln aufzuklären. Und immer schön an die Liste denken! Eine gewisse Coolness legt die Tochter einer Bewohnerin an den Tag: Weil sie jeden Tag zu ihrer Mutter kommt hat sie sich eine Besucherliste kopiert und füllt sie immer schon vorher aus.

So, jetzt sitze ich im Bus nach Hause. Den Fahrer kenne ich noch nicht. Seine Frisur entspricht nicht dem Standard.

Gerade dachte ich ein Bild von meiner Oma bei Twitter zu sehen. Nächster Gedanke „Naja, wohl eher Joschka Fischer“ (meine Oma sah dem unglaublich ähnlich. It’s a world of lookalikes we live in). Und dann der Knaller: Es war jemand ganz anderes von dem ich noch nie gehört habe. Meine andere Oma sah aus wie ich bzw. ich sehe aus wie sie.

Jetzt quakt vorne das Radio. SWR4. Schön, habe ich heute auf der Arbeit schon gehört. Da lief während des Frühstücks „Ave Maria“ von Jennifer Rush. Kommentar einer Bewohnerin: „Das klingt so furchtbar, ich glaube mein Quark ist gerade umm gegangen“.

Durch die früh hereinbrechende Dunkelheit ist mir leider die Möglichkeit genommen den Fahrer zu beobachten. Das geht jetzt nur noch wenn jemand einsteigt und er das Licht vorne anmacht.

Rotes Bushäuschen. Vorne raschelt eine Tüte. Und die Tastentöne des Handys piepen. Wer hat denn heute noch die Tastentöne an? Ich hatte ganz vergessen wie nervig die sind. Ich warte nur auf den Nokia- Klingelton…

Pietro Lombardi und seine Freundin haben sich getrennt. Letzte Woche wollten sie noch um ihre grosse Liebe kämpfen, so kann’s gehen. Bin ich ein schlechter Mensch weil mich nicht interessiert was aus ihrem Hund wird?

Heute sind wir vor dem anderen Bus am zweiten Haltepunkt. Deshalb dürfen wir auch vorne stehen. Und es ist Zeit für ein belebendes Heissgetränk bei offener Vordertür. Der andere Bus ist da, aber es wird kein Kontakt aufgenommen. Und jetzt fahren beide noch ein Stück hintereinander bevor sich am Kreisel die Wege trennen.

Wie schön, ich muss heute nicht auf den slawischen Zungenschlag verzichten. Heute sitzt der Sprecher allerdings hinter mir.

Die Musik im Radio ist ganz schlimm. Ich erwarte minütlich Gunter Gabriel. Was ist das für ein Text? Ich verstehe abwechselnd „Kackerlake“ und „Lacka Lager“.

Eine packende Schilderung der erlittenen Unbillen bei einer Nasen-OP. Pah, Fensterung ist doch gar nix! Ich könnte da Sachen von meiner Radikal-OP erzählen! 7 Stiche Naht im Oberkiefer. Ja, was denkst du denn wie die an die Kieferhöhle drankommen um sie auszuräumen? Nee, zwei Meter Tamponade mit täglichem Wechsel sind voll lässig. Und püriertes Essen ist das Beste der Welt. Auf Zahnpflege, Duschen und alles was die Gefahr einer Nachblutung in sich trägt kann man ja mal gut verzichten. (Den Hinweis nicht mit meinem zu Besuch weilenden Freund zu knutschen hätte es nicht gebraucht…).

Hallo Porta Nigra, altes Tor. Es wäre also für heute fast geschafft.

Frau Nase holt das Handy übrigens nicht bei dem Arsch der sich verpisst hat ab. Da kann der warten bis er schimmelt.

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