Schienenersatzverkehr

Schieneneratzverkehr, kurz SEV ist ja auch so ein typisch deutsches Wort.

Und eben diesen Schienenersatzverkehr musste ich eben nutzen um zum Hauptbahnhof zu kommen. Durch eine Verkettung unglücklicher Umstände muss ich heute arbeiten. Genauer gesagt, Frühstück und Mittagessen verteilen.

Bei der Gelegenheit konnte ich dann auch mal mit dem Luxemburger Angeberbus fahren. Ist auch mehr Schein als Sein. Hat genauso gequietscht und geknarzt wie die Moselbahn und die Stadtbusse. Und hat einen Weg zum Hauptbahnhof genommen wie man ihn früher Touristen erklärt hätte um sie ein wenig zu verwirren.

Aber ich habe das Ziel pünktlich erreicht und sitze jetzt im Zug. Weil Samstag ist muss ich ein bisschen anders fahren, die gewohnte Moselbahn nimmt erst später den Betrieb auf. Und ich kann ja nicht erst zwanzig Minuten nach der gewohnten Zeit Frühstück servieren, die Folgen wären verheerend.

Da es ein Zug der CFL ist klingen die Ansagen durch den Luxemburger Akzent sehr niedlich.

Heute ist Reformationstag. Das erklärt auch das gehäufte Auftreten des „Luther“ Films. Früher hatte ich immer morgens schulfrei um den Gottesdienst zu besuchen. Dafür musste ich dann nicht am nächsten Tag im Nieselregen auf dem Friedhof stehen. In dieser Gegend evangelisch zu sein verleiht einem immer noch einen exotischen Touch. Der Raum in dem die Handvoll Evangelischen aus mehreren Klassenstufen an meinem Gymnasium immer Relli hatten wäre momentan gar nicht erlaubt. Kein Fenster. Es war der ehemalige Erste-Hilfe-Raum aka „Das Kabuff“. In der Grundschule musste ich immer mein Stühlchen mitnehmen um im einem anderen Raum Religionsunterricht zu haben. Und wir mussten uns nach dem Morgengebet natürlich nicht bekreuzigen.

Ab jetzt geht es weiter mit dem Bus. Hoffentlich ohne Diskussion über das angeblich falsche Ticket. Ich muss jetzt mitfahren, es geht um das Wohlergehen von 27 alten Menschen!

Nein, ich hatte kein Taxi bestellt. So schlimm ist die Infrastruktur jetzt auch nicht.

Bisher ging alles glatt. Jetzt muss ich eine gefühlte Ewigkeit auf den nächsten Bus warten. Irgendwo im Nirgendwo. Aber der Ausblick ist nicht schlecht. Auch so ein schon lange nicht mehr existierender Bahnhof.

Und es regnet nicht und die Temperatur ist aushaltbar. Was will man mehr?

Schockschwerenot, unser Weihnachtsmarkt wurde abgesagt. Was werde ich die blinkenden Rentiergeweihe und den Bratwurstgeruch vermissen. Nicht zu vergessen die Belegschaften diverser Betriebe beim Vor-oder Nachglühen der Weihnachtsfeier.

Hier ist anscheinend auch ein grosser Busrumstehplatz. Eine Moselbahn (leider die falsche) bekommt gerade Gesellschaft von einer anderen (komplett falsche Richtung). So sieht das also von aussen aus wenn die Fahrer telefonieren und die Fahrerkabine nach Wertsachen absuchen. Könnte ja sein dass ein Kollege einen römischen Goldschatz oder das Bernsteinzimmer beim Aussteigen vergessen hat.

Jetzt sitze ich in meinem Bus und fahre den hungrigen Senioren entgegen. An der Moselpromenade weht neben den üblichen Fähnchen auch die Regenbogenflagge. Ein sehr erfreulicher Anblick.

Update Rückfahrt

Nach erfolgreicher Raubtierfütterung bin ich auf dem gewohnten Weg nach Hause. Ganz ungewohnt bei strahlendem Sonnenschein ohne hereinbrechende Dunkelheit.

So kann ich auch den wasserstopfblonden Schopf samt Sonnenbrille des Fahrers sehen.

Im Gegenbus der Fürst der Finsternis.

Am roten Bushäuschen ein nicht enden wollender Fahrerwechsel. Ich kenne jetzt die Dienstpläne von so ziemlich allen die jemals diese Strecke gefahren sind und nächste Woche fahren werden. Und es geht munter weiter mit den Informationen. Der neue Fahrer, nennen wir ihn P., hat eine Bekannte dabei. Ehrlich gesagt wollte ich das alles gar nicht wissen. Ich werde mich nie mehr beschweren weil ich die meisten geführten Telefongespräche nicht verstehe. Aber gleichzeitig das Gefühl etwas zu verpassen wenn ich die Kopfhörer aufsetze.

Jetzt muss eine arme Socke bezahlen weil er dachte es wäre schon November und die falsche Abokarte dabei hat. P. kennt keine Gnade.

Ein dezent nervendes Kind macht Sirenengeräusche. Früher waren die Fahrersitze übrigens nicht gefedert, das war gar nicht schön. Und bei den eben eingestiegenen Ladies stellt sich die Frage: Halloweenkostüm oder merkwürdiger Geschmack? Die Sirene ist in den Furzmodus geschaltet worden. „Leut‘ die wo in Luxemburg arbeiten tun“. Wir tun jetzt nach Trier reinfahren tun, deshalb tut der Bus sich füllen tun.

Keine Angst Mädel, dir wächst kein Kopftuch nur weil die Frau die sich neben dich gesetzt hat eins trägt.

Nach einem kurzen Gang zur Packstation warte ich jetzt auf den Bus gen Süden. Noch schnell einkaufen und dann endlich Wochenende.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s