Das Wohnen hat ein Ende

So, nachdem ich jetzt neun lange Tage ausgiebig gewohnt habe bin ich jetzt wieder auf dem gewohnten Weg zur Arbeit. Mit einem Fahrer den ich schon von mittags kenne. In einem Bus mit Licht und Heizung. Letzteres ist auch dringend nötig, denn es ist knackig kalt.

Bei Twitter las ich einen Tweet mit der Frage „Gibt es überhaupt Menschen die kein schlechtes Gewissen haben wenn sie nicht arbeiten weil Urlaub ist?“ Das hoffe ich doch sehr! Ich hatte jedenfalls keins. Warum auch? Noch nicht einmal an jenem Tag den ich damit verbrachte alle Folgen von „Oh Gott Herr Pfarrer“ hintereinander zu gucken…

Ansonsten bin ich mal wieder fasziniert wie groß mein Schlafzimmer ist wenn ich aufgeräumt habe, freue mich über das Bestehen der Marketing-Klausur, habe sehr viel gelesen und geschlafen und war sogar einmal länger draussen. Alles in allem hat es sehr gut getan.

Und diese Woche wird kurz, denn am Freitag schreibe ich mal wieder eine Klausur. Wirtschaftsmathematik. Ich ahne Schlimmes, haben sich meine Fähigkeiten in Mathematik in der Oberstufe doch darauf beschränkt immer da zu sein und dafür einen Punkt zu bekommen. Einmal hatte ich 13 Punkte in einer HÜ, was zu dem trockenen Kommentar „Das nächste Mal sitzen Sie nicht mehr neben dem Christian“ seitens der Lehrerin führte. Besonders tragisch an der Wirtschaftsmathematik ist ja dass dieses Modul inzwischen aus dem Studienplan gestrichen und in andere Module eingebaut wurde. Ich rechne also viel mehr als jemand der später angefangen hat. Naja, solange keine Vektoren (ich weiss bis heute nicht genau was das eigentlich ist) im Raum stehen geht es ja noch…

Gestern war schon der erste Advent und ich weiss noch gar nicht, wie ich genau Weihnachten verbringen werde. Heiligabend muss ich noch arbeiten, kann aber früher gehen. Wenn ich dann direkt zu meinen Eltern fahre bin ich bei Schwester und Schwager wo wegen der Kinder hingefahren wird der dritte Haushalt. Obwohl das ja irgendwie erlaubt ist, oder? Nicht dass ich mich fühlen muss wie Anne Frank. (Einer der ungeheuerlichsten Vergleiche der letzten Zeit, da kommt Jana aus Kassel bei weitem nicht ran). Es hat schon was ironisches dass die Pandemie ausgerechnet im dem Jahr alles auf den Kopf stellt in dem ich zum ersten Mal seit Jahren ohne irgendwelche Listen, Diskussionen und Tauschereien an den Feiertagen komplett frei habe…

Wann kamen eigentlich diese an den Fassaden hängende Weihnachtsmänner in Mode? Das ist genauso befremdlich wie ein Rentierschlitten auf der Garage.

Hach, wie schön-die Baustelle ist immer noch da. Und es gibt sogar eine Haltestelle mit Weihnachtsbaum. Da wird einem doch gleich ganz festlich zumute. Besonders wenn dann auch noch ein feierliches „Wichser“ ertönt. Eine Krippe im Vorgarten ist auch nicht schlecht. Die Nachbarschaft kontrolliert sicher das ordnungsgemäße Erscheinen des Kindeleins und der Könige.

So jetzt noch ein bisschen frieren bis es weitergeht. Gott sei Dank habe ich eine Mütze angezogen. Das im Bus begonnene Ballspiel geht munter weiter. Die erste Trinkflasche rollt. Sitze jetzt im Bus, aber vorne wird irgendwas diskutiert. Weshalb wir jetzt von meinem Bus von eben auf dem Weg zurück überholt wurden. Und jetzt kommt sogar schon der den wir eigentlich nicht zu sehen kriegen sollten. Und das alles mit Tür auf. Seufz. Ich will doch soooo gerne wieder arbeiten.

Wunderbar, Diskussion beendet, Tür zu und Abfahrt. Auf in eine neue Woche!

Update Rückfahrt

Und schon sitze ich wieder im Bus nach Hause. Der Tag ging schön schnell vorbei, es gab ja auch genug zu tun. Und morgen werde ich mich daran machen, herauszufinden wer meine schönen Sanitätshaus-Kugelschreiber und den Clip meines Telefons an sich genommen hat, leere Desinfektionstuchtüten auf meinen Schreibtisch gestellt (okay, das habe ich jeden Montag) und Sachen in meinen Schrank gelegt hat die dort nicht hingehören. Eine Woche nicht da und schon ausgeraubt und zugemüllt. Ganz zu schweigen von nicht geführten Listen. Nur weil ich nicht da bin und drohend mit dem Ordner winke müssen die trotzdem geführt werden! Highlight: Komplett falsche seit Mitte des Monats abgelaufene Desinfektionstücher in einer der Küchen.

Die Fahrt heute verspricht wenig Unterhaltung. Dieser Fahrer fährt einfach nur. Schade, ich hätte Lust auf ein unverständliches Telefongespräch. Im Urlaub habe ich kurz mit dem Gedanken gespielt im Radio einen russischen Sender zu suchen. Nur fürs Gefühl. Früher fühlte ich mich in meinem Zimmer immer wie eine Geheimagentin wenn ich im Radio auf Langewelle einen russischen Sender gefunden hatte. Da war „der Russe“ ja noch eine richtige Bedrohung. Wir hatten einen Lehrer in der Schule der, wohl auch biographisch bedingt (er wohnte im „Vertriebenendorf“ und hatte auch einen entsprechenden Namen), panische Angst hatte die Russen könnten irgendwann an der Porta Nigra stehen. Haben sie nie getan, heute lenken sie Busse drumrum. Ich fand „die alten Männer an der Mauer“ immer irgendwie langweilig wie sie den Soldaten und Raketen winkten. Sie sind oft gestorben und ihre Namen waren für eine Leseanfängerin eine ziemliche Herausforderung.

Ein Hoch auf alle Weingüter und Restaurants auf der Strecke die trotz Schließung bis mindestens 20.12. ganz wunderschön geschmückt haben!

Gerade habe ich ein Täfelchen Weihnachtsschokolade das noch vom letzten Jahr in meiner Winterjacke war gegessen. Es hat vorzüglich gemundet. Im Gegensatz zu vergessenen Bonbons, die sind ja einfach nur bäääh wie sie so mit ihrer Verpackung verschmolzen sind.

Es gibt eine isländische Website die Schreie aufzeichnet und sammelt. So wie einst Bert Clock mit seinen seltsamen Uhren. „Wo im Raume raunt die Zeit“ wird von den pfiffigen Jungdetektiven aus Rocky Beach ja dann so verstanden dass alle Uhren gleichzeitig schreien sollen. So macht ein gemeinsames Kinderzimmer Spaß wenn gleichzeitig Benjamin Blümchen dagegen trötet. Ich konnte eine Zeit lang sehr gut drohen „die Schlange singen zu lassen“. Damals, als wir noch dachten die Leute in der Seilbahn könnten in unser Kinderzimmer gucken. Und das Wissen dass jemand „auf Leich“ liegt uns beim Anblick der dörflichen Leichenhalle aus dem Fenster wohliges Gruseln bescherte. Die „Heldenmutter“ lag sogar über Silvester, das war irgendwie besonders spektakulär.

Toll, jetzt stehen wir hier und es wird wild gehupt. Aus der Fahrerkabine ertönt ein freundliches „Zackisch“ (Fahrer offensichtlich ein Eingeborener). Der Ruf wurde erhört. Sehr schön, irgendwann will ich ja auch mal heim. Muss dringend noch ein paar mathematische Gleichungen lösen. Ooooder den zweiten Teil von „Verbotene Liebe. The next generation“ gucken. Wo ich doch extra mein Passwort für TVnow geändert habe damit ich Premium endlich auch auf dem Fernseher gucken kann. Da gibt es nämlich kein Fragezeichen, was mich ja erstmal komplett irre gemacht hat. Aber dann habe ich dieses Opfer gebracht. Für „Beverly Hills 90210“, original „Verbotene Liebe“ und alte Folgen von „Unter Uns“. Fehlt nur noch „Marienhof“.

So, noch eine kurze Fahrt gen Süden. Wenn die Sternbusfahrer damit fertig sind aus ihren offenen Türen in die Türen gegenüber zu schreien. Freut mich dass es dem Kleinen wieder besser geht. Und wenn dann mal irgendwann alle da sind. Es kröckt schon wieder im Busfunk „1207 haben Sie Umsteiger Bahnhof?“ Die Anzeigetafel ist kaputt und das Entwertungsding rattert ohne Unterlass. Jetzt fängt es auch noch an zu regnen. Ja, wie heisst denn jetzt das Hotel an der Haltestelle Südallee? Kleiner Tipp: Französisches Haus ist es nicht. Die Tütenfrau singt ihr Klagelied. Leute die nicht wissen wo sie hinwollen, Leute die auf der falschen Straßenseite stehen. Same procedure as every evening…

Und schon macht es Nöööt für heute.

Ich durfte dann noch der Tütenfrau eine Tüte aufhalten damit sie eine Tüte reinlegen konnte…

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