Montag zwischen den Jahren

So, Weihnachten wäre dann mal vorbei und wir befinden uns offiziell zwischen den Jahren. Wer heute unterwegs ist erfreut sich der vielbeschworenen Systemrelevanz.

Jetzt muss ich erstmal kurz von meinem Heiligabend berichten. Eines der highlights war zweifelsohne die weihnachtliche Ansage im Stadtbus. Nach mehreren Anläufen hatte der junge Mann der plötzlich im Bus zu hören war dann allen Fahrern, Fahrgästen „und so“ schöne Feiertage von den Stadtwerken gewünscht. Es war offenbar eine spontane Aktion, im Hintergrund wurde gekichert. Unser Fahrer liess grinsend ein „Oh Mann, Alter!“ hören. So in etwa hätte es sich wahrscheinlich angehört wenn gewisse Leute nach unserem Umtrunk auf der Arbeit zum Mikrofon gegriffen hätten. Ich war schon sehr weihnachtlich gestimmt weil im Bus nach Trier russische Weihnachtslieder erklungen waren.

Heute ist alles wie immer, es rauscht und quietscht und klappert. Der Fahrer berichtet vermutlich von seinen Weihnachtserlebnissen und trinkt zwischendurch Kaffee. Ich warte noch auf die „Ohne Aufstehen die Jacke ausziehen“ Performance.

Irgendwie ist es gerade ein bisschen langweilig. Das rote Bushäuschen lässt sich in der Dunkelheit nur erahnen und auch sonst sieht man nix. Wenn die ganze Weihnachtsdeko abgebaut ist wird es ziemlich trostlos fürchte ich. Das Glasflaschenklappern ist auch wieder gelegentlich zu hören.

Und schon warte ich auf den nächsten Bus und kann es kaum erwarten den Arbeitstag zu beginnen. Die Woche wird ja wieder kurz bevor dann ein hoffentlich besseres Jahr beginnt. Dass ich mich in einem ländlichen Gebiet befinde merke ich immer daran dass vorbeikommende Menschen immer grüßen. Das macht man so, das wird einem schon als Kind beigebracht. Bei mir zu Hause gab es auch immer ein paar ältere Frauen die ein Nichtgrüssen (und andere Verstösse) an die jeweiligen Mütter gemeldet haben. Was dazu führte dass wir an manchen Häusern grundsätzlich laut „Guten Tag“ in den Garten brüllend vorbei gingen. Ganz egal ob „die Hex“ zu sehen war oder nicht.

Und jetzt mal wieder zur falschen Uhrzeit nach 99. Auf zu neuen Taten!

Update Rückfahrt

Und schon ist der Arbeitstag wieder zu Ende und ich befinde mich auf dem Heimweg. Nach kurzem Telefonat läuft jetzt das Radio. Warum der junge Mann mit dem interessanten Hosensitz eben kurz ausgestiegen ist um von draussen in seine Fahrerkabine zu schauen entzieht sich leider meiner Kenntniss.

Hinter mir wird diskutiert wieviel Gramm pro Person sinnvoll sind. Da möchte man nicht so genau wissen worum es geht. Der Kontext lässt gewisse Substanzen erahnen. Aber wahrscheinlich geht es nur um Kakaopulver. Die Herren tragen jedenfalls ihre Ausgehjogginghosen.

Und jetzt geht es vorne hoch her. Ein Landsmann ist eingestiegen und es wird eifrig Konversation betrieben. Was an der wiederholten Nennung eines Ortsnamens so witzig ist verstehe ich leider nicht.

Mit schätzungsweise Anfang 20 etwas „um der alten Zeiten willen“ tun zu wollen hat irgendwie etwas rührendes. Und warum halten wir immer hier an diesem hässlichen Schild? Wieviele Leute werden hier noch angerufen um mitzuteilen dass man sich später nochmal meldet? Welchen Sinn macht eine Pummeljacke in Kombination mit kaputter Hose und Sneakern mit freien Knöcheln? Hat mal jemand dem Fahrer gesagt dass sein Lachen klingt wie das eines KGB-Schurken in einem Kalter Krieg Agentenfilm? Wie oft kann eine Sprachnachricht abgespielt werden bevor sich das Handy selbst zerstört?

Am Hauptbahnhof ein RTW dem wir eben Platz gemacht haben vor der Polizei. „Könnten Sie bitte die hintere Tür schliessen, es zieht?“ „Nee, is‘ Corona!“ Wie schwer kann es sein einen Termin auszumachen wenn alle Beteiligten praktisch immer Zeit haben? „Es geht ums Prinzip, aber sowas ist dir ja unbekannt du Eierschaukler.“ „Scha-hatz, ich würde doch nie deine Bewährung gefährden!“ Ich möchte jetzt bitte nach Hause, aber es geht mal wieder nicht voran. Riechen stark olfaktorisch Belastende sich eigentlich selbst?

Das erlösende Nöööt kam heute keine Sekunde zu früh…

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