Heimweg

Heute melde ich mich mal wieder erst von der Rückfahrt, nachdem es heute morgen mal wieder absolut unspektakulär war.

Jetzt ist es allerdings auch nicht viel besser. Am Steuer sitzt der Graukopf und klopft im Takt der nur zu ahnenden Musik auf das Fahrscheinausdruckdings. Ich konnte meinen Platz diesmal verteidigen. (Es ist von Vorteil wenn man schon weiss welcher Fahrer es ist und wo er normalerweise an der Haltestelle zum Stehen kommt).

Ich fühle mich gerade ungeheuer erwachsen weil ich am Wochenende meine Steuererklärung gemacht habe. Das ist, neben dem demnächst fälligen Bausparvertrag, so ein „Willkommen in der Welt der Erwachsenen“. Wo ich mich ja streng genommen schon etwas länger befinde, auch wenn man es manchmal nicht so merkt.

Heute war so einer von den Arbeitstagen deren einziger Sinn darin besteht möglichst schnell vorbei zu gehen. Man macht halt sein Gedöns und hofft dabei nicht weiter aufzufallen. Auch so ein Erwachsenending glaube ich.

Hach, was hat das Internet nicht alles an Merkwürdigkeiten anlässlich des Todestages der Geschwister Scholl zu bieten! Man kann natürlich ganz fein darüber spekulieren was die heute fast Hundertjährige wählen würde. So wie man sich auch ein Deutschland im Sinne der Männer des 20. Juli ausmalen kann. Man kann sich aber auch einfach nur verneigen vor dem Mut all derer die ihr Leben geopfert haben weil sie nicht geschwiegen haben und wie Bonhoeffer es formulierte „dem Rad in die Speichen“ fielen. Und dann gepflegt die Fresse halten.

„Fahren Sie bis zur Brücke?“ „Hier sind viele Brücken, also auf jeden Fall“.

Joey Heindle arbeitet jetzt als Rettungssanitäter. Das macht mir ein bisschen Angst. Nicht dass er mal zu jemandem gerufen wird der tot aufgewacht ist…

Ein neuer Comedysender bei Sky. Klang sehr verlockend. Bis zu dem Satz „Den Auftakt macht Dieter Nuhr…“

Im Bus nach Süden wird gerade in rasender Geschwindigkeit französisch parliert und ein älteres Ehepaar sinniert ob man dieses Jahr wohl endlich wieder an den Schliersee fahren kann. Je veux einfach nur heim. Wir sind immerhin schon am Karl seinem Haus. Es ist etwas anstrengend wenn jemand jedes Mal wenn das Ansagenkind „Dankeschön“ gesagt hat „Bitteschön“ ruft.

Und schon ist der nächste Morgen herangekommen und ich bin auf dem Weg zu neuen Taten.

Gerade ist jemand eingestiegen der seine Fahrkarte nicht bezahlen konnte und ein versifftes Blatt Papier vorzeigte dass seine Befreiung von der Maskenpflicht bescheinigt. Der Fahrer hatte anscheinend keine Lust auf Diskussionen um diese Uhrzeit und bringt den armen Maskenlosen zwei Haltestellen weiter zur Sparkasse.

Und jetzt wird telefonisch eine Bohrmaschine organisiert. Was man halt um die Uhrzeit als echter Kerl so macht.

Und schon bin ich wieder auf dem Heimweg. Mit einem Fahrer den ich nicht kenne und zwei Jugendlichen von denen einer mal noch schnell an die Hecke an der Bushaltestelle gepinkelt hat. „Alter, da steht ’ne Frau, was denkt die denn jetzt von dir?“ „Dass die Natur ihr Recht fordert!“ Ja, in etwa. Nur etwas weniger fein ausgedrückt.

Ich warte ja nur darauf dass eine bestimmte Bewohnerin irgendwann „Ich bin 107 Jahre alt“ sagt und mir ihre Kette aus Geisterperlen zeigt. Denn sie wohnt unter falschem Namen bei uns und heisst in Wirklichkeit Won.

Am roten Bushäuschen wird geraucht und telefoniert. Das Wetter macht es ja endlich wieder möglich. Leider ist das Radio so laut dass ich kein Wort von draussen verstehe. Jetzt ist das Radio aus und das Gespräch beendet. Ich hege den Verdacht dass da jemand nicht belauscht werden wollte. Was mich natürlich umso neugieriger macht…

Und schon wieder wird geraucht, diesmal aber ohne Radio. Der Fahrer von Bus2 (der der mich morgens immer lachend begrüßt und beim Aussteigen einen schönen Tag wünscht) hat sich dazu gesellt. Man merkt doch gleich dass es wieder wärmer ist und nicht permanent regnet.

Wie schön, am Ende des Tages einen Zahnpastafleck auf der Sweatjacke zu entdecken. Natürlich nicht weiss, sondern neonblau. Seit wann ist er da? Wann habe ich mir angezogen die Zähne geputzt? Wer hat ihn alles gesehen und taktvoll geschwiegen? (Was mich sehr wundert). Es sieht auch bei jungen Frauen furchtbar aus, wenn sie die Hosen bis unter die Achseln zurren, nicht nur bei alten Männern. (Egon Bahr war Meister in dieser Art sich zu kleiden). Himmel, Mädel dahinten, niemand interessiert sich für deine Sprachnachrichten! Kurze Hose und barfuss-was trägt man dann wenn es wirklich warm ist? Wie aufdringlich kann man auf nackte Füsse starren?

Endlich zu Hause und beim Zappen Klaus Meine von den Scorpions. Es bleibt einem nichts erspart. Auf welchem Sender läuft den heute „Bones“? Von der Serie hätte ich gerne die gesammelten Leichenfindungsschreie als Audiodatei…

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