Der Rest vom Fest

Heute ist der Tag der Weihnachtsbaumabholung. Das ist immer ein trauriges Bild wenn die abgeschmückten Exemplare am Straßenrand liegen und auf den Beginn ihrer letzten Reise warten.

Leider hat sich auch heute morgen meine Hoffnung auf einen witterungsbedingten Ausfall der Fahrt nicht erfüllt. So wie der Fahrer fährt können wir nur hoffen dass es nicht irgendwo unvermutet glatt ist. Sonst bin ich heute noch in den Lokalnachrichten zu sehen. Mit einer „Einweg Krankentransportdecke“ auf den Schultern in einem Krankenwagen sitzend. Das Radio mahnt jedenfalls zu vorsichtigem Fahren, die Umsetzung ist momentan ausbaufähig.

Die Eifellinie meldet wie jeden Morgen die ersten Ausfälle. Aber da liegt ja auch Schnee. Bei SWR3 gab es eine Zeitlang morgens den Spruch „Wenn in der Eifel, dann nur mit Winterreifel!“

Ein Hinweis für die Redaktion der „heute“ Nachrichten: Einen Tweet zum Thema „Impfpflicht für Pflegekräfte?“ besser nicht mit einer unbehandschuhten Hand mit roten Fingernägeln die eine Spritze an einen Oberarm hält bebildern. Sieht zwar besser aus als ein Naturhändchen mit Handschuh, ist aber irgendwie störend.

Mr Speed hat zu telefonieren begonnen. Er redet genauso schnell wie er fährt. Momentan sind wir aber am Bustreffpunkt. Wo als Morgengruss gehupt wird. Wohl zu kalt für eine persönliche Begrüssung. Und man muss ja auch weiterhin die Geschwindigkeit der Abmoderationen von Dieter Thomas Heck halten. Und noch eine kleine Lichtshow. Es wird schon wieder was auf dem Boden gesucht, die Erdanziehung in der Kabine scheint wieder enorm zu sein.

Wie schön, ich verstehe jetzt endlich mal worüber gesprochen wird. Es geht um einen Schlüssel. Viermal gab es da schon Probleme und keiner wusste wo der ist. Und heute morgen hat die Katze gekotzt, deshalb hat er nur schnell den Bus geholt und vergessen den Schlüssel aus dem Spind zu holen. Oh ja, Schlüssel können Probleme machen. Ich sage nur BTM. Das Problem „musste ich wegen Schlüssel nochmal von zu Hause kommen“ ist mir nicht unbekannt…

Und jetzt noch ein wenig rumstehen und auf den nächsten Bus warten. Wenigstens regnet es nicht. Und es ist nicht glatt, weshalb es nicht notwendig ist zu gehen wie auf rohen Eiern. Sieht aber lustig aus.

So, jetzt fahre ich den heutigen Rachenabstrichen entgegen. Kockorona soll endlich weg gehen! Aber wahrscheinlich werde ich die Tage im Zelt irgendwann vermissen…

Update Rückfahrt

Was für ein Tag! Kockorona at its best. Ich kam noch nicht mal zum Essen. Schröcklich, schröcklich.

Hier wurde schon wieder emsig telefoniert. Und jetzt läuft wieder die anscheinend schwer angesagte russische Sängerin.

Ein gewisser Herr Pompeo wird nicht nach Luxemburg kommen nachdem Jean Asselborn böse Sachen gesagt hat. Ich entschuldige mich hiermit aufrichtig für das ungebührliche Verhalten meines Migrationshintergrundlandes dessen Staatsbürgerschaft ich jederzeit beantragen könnte. (Ja, es gab tatsächlich mal Zeiten wo Luxemburger nach Deutschland arbeiten gingen weil dort besser bezahlt wurde!)

Zwei supercoole Helden in Jogginghosen beschallen den Bus mit schlechtem deutschen Rap. „Komm‘ in die Hood oder fehlt dir der Mut?“. Mir fehlt vor allem der reine Reim würde ich sagen.

Heute sind erstaunlich viele Menschen mit mir unterwegs. Habe ich irgendwas verpasst? Hat alles wieder auf? War alles nur ein böser Traum? Aber wenn ja warum tragen wir dann alle immer noch Masken?

Regierungskrise in Italien. Das schockiert mich jetzt echt, habe ich Italien doch immer als Land der skandalfreien stabilen Regierungen betrachtet.

Haalllooo, wenn vorne jemand einsteigt muss die hintere Tür nicht geöffnet werden. Es ist kalt draussen. Und es regnet schon wieder. Oder sind die Scheibenwischer auch nur mal so an weil man dafür ja ein Knöpfchen hat? Warum halten wir nicht an dem hässlichen Schild? Nein, zugestiegener junger Mann, der Fahrer hat nicht mit Ihnen geredet. Er wurde eben angerufen.

Huch, wo kommt denn jetzt plötzlich die Porta Nigra her? Sind wir echt schon da? Meinem leeren Magen gefällt das. Genau wie das sehr schnelle Erscheinen des Sternbusses. Aber ich musste ganz durchlaufen weil vorne nichts mehr frei war. Aber so höre ich wenigstens eine ergreifende Schienenersatzverkehrstory. Und kann ein Häufchen Rotzfahnen auf einem der Sitze betrachten. Das ist ausgesprochen eklig, nicht nur im Hinblick auf Corona. Manchen Leuten fehlt einfach das Gefühl für angemessenes Verhalten im öffentlichen Raum.

Nööööt! Endlich essen!

Bonntschur!

Und wieder ist ein neuer Morgen herangekommen und ich habe tapfer gegen alle Reißverschlüsse gekämpft um hier zu sein. Nach knackiger Kälte gestern regnet es mal wieder. Die Sonne scheint nur in Form des quietschgelben Pullovers des Fahrers. (Ich kann sowas ja nicht tragen, dann sehe ich aus wie eine Wasserleiche bei der Todes-und Auffindezeitpunkt gravierend voneinander abweichen). Das gelbe Ärmchen leuchtet jedenfalls als schönes Kontrastprogramm.

Und jetzt leuchtet es gelb in der Dunkelheit unter der Überdachung wo nach einem Lauf im Augsburger Puppenkiste Style durch den Regen geraucht wird. Jetzt noch eine kurze Durchsuchung der Kabine und das Studieren von Zetteln und Handynachrichten. Mal wieder Ökschn in seiner schönsten Form.

Geheimnisvolles Tütenrascheln und dezentes Trinkgeräusch beim Halten an der immer noch wunderschönen Baustelle.

Jetzt stehe ich im Regen und hoffe dass der Bus bald kommt und mich mitnimmt. Ich kann es kaum erwarten mich in das Abenteuer eines neuen Arbeitstages zu stürzen…

Update Rückfahrt

Und schon bin ich wieder auf dem Weg nach Hause. Nach einem irgendwie nervigen Tag.

Das Entertainmentprogramm heute besteht im wesentlichen aus den Ess-und Trinkgeräuschen aus der Fahrerkabine. Ah, jetzt wird telefoniert. Netterweise mit Lautsprecher an. Nicht dass ich irgendwas verstehen würde, aber es klingt nicht wirklich aufregend.

Heute ging es ja mal richtig schnell. Wir sind schon da wo sich die Busse treffen. (Klingt wesentlich romantischer als es ist). Und bekommen Besuch vom Träger eines ausgesprochen hässlichen Pullovers.

Jetzt geht es weiter und aus dem Lautsprecher ertönt eine Frauenstimme die sehr langatmig etwas a la „und ich so…“ erzählt. Der Mann steuert ein gelegentliches „da“ bei. Kennt man ja. Er kann wenigstens nicht aufstehen und in einen anderen Raum gehen. Und auch nicht den Anfängerfehler der Nutzung der Toilettenspülung machen.

Die kleine Großstadt (eine sehr schöne Formulierung unseres OB) hat mich wieder. Leute die erstmal abwarten bis der Bus hält und die Tür geöffnet hat um mitzuteilen dass sie „auf den annern“ warten sind bestimmt sehr beliebt. Ja bitte, ich brauche dringend kalte Luft an den Beinen. Irgendwas ist vorne runtergefallen, hektisches Suchen an der roten Ampel mit gleichzeitigem Blick darauf.

Mein Sternbus liess mal wieder auf sich warten und steht wegen Platzmangel halb auf der Strasse. Das Entwertungsding rattert und rattert. Vor uns ist der Fahrer noch irgendwo anders. Es kann sich nur noch um Stunden handeln. „Ich habe meinen Studentenausweis vergessen, aber ich möchte gerne mitfahren“ löst huldvolles Winken aus. „Guten Tag, ich habe heute eine Maske auf!“ Und nicht geduscht.

Nööööt für heute.

Monday, Monday…

Ja, es ist schon wieder Montag. Was bedeutet dass ich mich auf dem Weg in eine neue Arbeitswoche befinde. An der Motivation arbeite ich noch, aber es ist ja nich ein bisschen Zeit. Wir haben Licht und Heizung, auf Entertainment ist eher nicht zu hoffen.

In einer Parallwelt ist es draussen schon hell und niemand trägt eine Maske. Trumps Präsidentschaft war nur eine abgedrehte Erfindung der „Simpsons“- Macher, Moria ist ein Handlungsort bei Tolkien und kaum jemand weiss wie die Chefs des RKI und des Paul-Ehrlich-Instituts aussehen. In Madrid wird nicht Ski gelaufen während Griechenland hochsommerliche Temperaturen erlebt. Menschen werden nicht im Namen Gottes oder einer schwurbeligen Ideologie ermordet. Oder ohne irgendein Motiv tot gefahren.

Trump jetzt bei Twitter zu sperren ist ehrenvoll, aber viel zu spät. (Im übertragenen Sinne ist es April 1945). Und man kann nur hoffen dass jemand die Atomcodes im Auge behält…

Es soll einen reboot von „Sex and the City“ geben. Das geht ja dann wohl eher in Richtung „Golden Girls“. Die Originalserie ist überaus schlecht gealtert, wie so vieles aus den Neunzigern und Nullerjahren. Unübertroffen ist „Friends“. War damals schon äusserst zweifelhaft, ist heute unsehbar.

Adler Modemärkte melden Insolvenz an. Tausende Truschen sind entsetzt. Wo sollen sie denn dann ihre peppigen Klamotten kaufen?

Ohne die Weihnachtsdekirationen am Wegesrand ist es hier wirklich sehr trostlos. So wie die Geisterschulbusse. Aber es wird schon heller. Und am Wochenende schien sogar die Sonne! Es gibt Hoffnung…

Und jetzt hoffe ich nicht zu erfrieren bevor der Bus nach 99 kommt. Glück gehabt. Dann steht einem aufregenden Arbeitstag ja nichts mehr im Wege. Möge der Rachenabstrich mit mir sein!

Update Rückfahrt

Und schwuppdiwupp bin ich wieder auf dem Weg nach Hause. Heute mal wieder mit Günther/Manni. Der als echter Kerl mit kurzärmligem Hemd der Kälte trotzt.

Bis gerade eben war es noch hell. Und es wird nicht mehr so plötzlich stockdunkel. Es besteht Hoffnung auf bessere Zeiten.

Hach, ich liebe diese Newsletter in winziger Schrift die sich nicht vergrößern lässt ohne das Ganze unleserlich zu machen. Und dann klickt man irgendwo drauf und rennt mit Schwung gegen die paywall…

So langsam könnte meine Matheklausur ja mal benotet sein. Ich melde mich ungern ohne die Bestätigung meines Scheiterns für den nächsten Versuch an. Ich müsste überhaupt mal wieder ein bisschen studieren und meine Weiterbildung Hygienefachkraft zu Ende bringen. Oder wenigstens mal den Schreibtisch aufräumen…

Jawoll, Türen auf und verschwinden. Ohne Jacke natürlich. So macht man das als echter Kerl bei Minusgraden. Es wird wieder ewig dauern nachher meine Beine aufzutauen.

Ich bin mir nicht ganz sicher ob ich je eine der „Frauen für Friedrich Merz“ sehen möchte. Da entsteht kein schönes Bild vor meinem geistigen Auge. Vielleicht hoffen sie, dass er noch was in der Insolvenkausa Adler Modemarkt reissen kann.

Letzter Bus für heute. Wie üblich mit offenen Türen bis zur Abfahrt. Und einer wunderbaren Erklärung des Busfahrers warum der Bus nicht mehr Nummer 3 heisst. „Nennt sich Sternverkehr. Da kriegen alle eine Acht davor. Ist halt so“. 99% aller Eingestiegenen wollten eigentlich zum Schienenersatzverkehr der Saarstrecke.

Und jetzt kann ich mich endlich auftauen. Und essen. Und auf der Couch einschlafen. Bald mehr aus meinem aufregenden Leben.

Freeeeitag

Es ist gottlob Freitag und ich habe meine Fahrt angetreten. Der Bus ist eiskalt und dunkel. Der Fahrer ist recht flott unterwegs, was erfahrungsgemäß langfristig sinnlos ist. Später werden wir wieder dauernd anhalten.

Seltsame Musik ertönt. Manchmal wäre eine Aufnahme des Morningsounds gar nicht schlecht. Angefangen am Hauptbahnhof mit dem Geräusch der gleichzeitig startenden Sternbusse, über das Rauschen, Quietschen, Piepsen und Knacken hier drin bis hin zu Radioklängen, Telefongesprächen, Gähnen, Husten und Tütenrascheln. Nicht zu vergessen die Betonverschiebungsfrau die heute morgen aber schweigt.

Ich bin so müde und es ist schon wieder so langweilig. Im Radio läuft „Voyage Voyage“. Das war doch diese Sängerin mit dem Brikett auf dem Kopf, oder?

Und natürlich fängt es an zu regnen. Ich will warm und hell. Jetzt sofort.

Die Schlafmütze hat es tatsächlich geschafft auszusteigen. Und gleich bin ich dran.

Niemand braucht jetzt Schnee. Schon gar nicht wenn er noch nicht mal liegen bleibt.

So, dann kam der andere Bus dann auch mal. Und nach kurzem driving through the winterschmuddelland kann ich dann bald mein Tagwerk beginnen.

Update Rückfahrt

Und schon habe ich mein Tagwerk vollendet und sitze sogar noch im Hellen im warmen Bus. Den Fahrer kenne ich von morgens. Er telefoniert schon eifrig und wedelt mit seinem freien Arm. Schlafmütze hat auch Feierabend, man darf auf die Ankunft in Trier gespannt sein…

Oben in den Weinbergen liegt Schnee. Da kann er gerne bleiben. Heute morgen haben alle Verkehrsbetriebe quasi zeitgleich per Push-Nachricht gemeldet dass sie fahren. Besonders schön war der Satz aus der Eifel: „Auch wenn vor Ihrer Haustür nur wenig Schnee liegt kann eine Fahrt bis zur Endhaltestelle nicht garantiert werden.“

Zwei Telefongespräche: vorne Russisch, irgendwo hinter mir Türkisch. Ein Hauch der großen Welt im kleinen Bus…

Hallo rotes Bushäuschen, endlich sehe ich dich mal wieder. Es ist immer noch ein bisschen hell, Wahnsinn.

Jungs, einer von euch muss mal seinen Lautsprecher ausmachen sonst platzt mir hier gleich der Kopf! Danke, aber der mit der plärrenden Frau wäre mir lieber gewesen

Ein neuer Tag

Heute morgen wäre mir ein Wintereinbruch sehr gelegen gekommen. Aber das Schicksal hat eine Fahrt mit dem Kommissar für mich vorgesehen. Es ist zwar kalt, aber trocken.

The Kommissar has left the bus. Wo der Gegenbus schon mal da steht kann man ja auch für einen Plausch vorbei schauen. Trainiert auch die Armmuskeln. Und man kann hier mal ordentlich durchlüften…

Good morning auch nach Amerika, oder wie wir Weltbürger sagen „in die Staaten“. Da sind ja jetzt anscheinend alle Sicherungen durchgebrannt. Und dank Macron habe ich auch den Ohrwurm für heute gefunden: „This is not America, shalala…“

Update Rückfahrt

Und da war sie heute morgen wieder, die komplette Ereignislosigkeit. Momentan ist es morgens wirklich sehr langweilig. Heute morgen ist der Typ der eigentlich eine Haltestelle vor mir aussteigt mal wieder eingeschlafen. Leider bekomme ich ja nie mit was passiert wenn ihm das an der Endhaltestelle auffällt. Sowas würde mir wenn überhaupt EINMAL passieren, nicht mehrmals pro Woche…

Die Vorbereitungen zur Landtagswahl laufen. Ich habe mich als Wahlhelferin gemeldet. Das wollte ich schon lange machen, im Schichtdienst war es aber immer blöd. „Sie werden rechtzeitig das Berufungsschreiben erhalten“. Ich bin gespannt welches Wahllokal es sein wird. Vielleicht sogar eines mit Prominenz?! Die bei uns ja eher lokal ausfällt, ich muss es sagen wie es ist.

Im Gegenbus leuchtete ein Handy in der Fahrerkabine. Hier läuft nur das Radio. Es ist der der Leserschaft bereits als P. bekannte Fahrer.

Toll, jetzt habe ich versehentlich erfahren wer Lady Whistledown in „Bridgerton“ ist. Da stand noch fett SPOILER. Aber trotzdem wird es mir ein Vergnügen sein weiterzuschauen.

Herrje, ist das schon wieder langweilig hier. Ich schreibe jetzt mal ein paar Zeilen mit dem jeweils mittleren Wort in den Vorschlägen um das hier mal aufzupeppen.

Temperatur im Wasser und Wasser im Bus. Aber es macht sich bemerkbar wenn ich nicht in meinen Kopfhörern gehe. Aber es macht sich ja unter den Umständen sehr schwer und ich denke was das eigentlich wissen muss. Oder es ist warm um den Dienstplan. S ist es draussen dunkel wie die Schutzteile und das Explosionsgeräusch ist auch noch da. Woran liegt es? Und wer ärgert mich an vergessene Euro? Wenn ich dran bin und drohend. Ich habe mich über das angeblich sehr sehr witzig und sehr sehr witzig gemacht. Punkt ist der Bus mit Dunkelbiermann.

Wohlan, lasset die Literaturpreise auf mich regnen!

Es war so klar dass es jetzt anfängt zu regnen! Nur um mich zu ärgern.

Skandal! Die Ampel wurde gelb und dann wieder rot! Und jetzt steht neben mir die Nazizecke die mal eine Zeit lang den Stadtrat verseucht hat. Ich gucke auf die andere Seite und sehe ein Prachtexemplar von Bauarbeiterdekollete. Mir bleibt mal wieder nix erspart. Der Herr mit dem urdeutschen Namen Safet Babic (eine Karriere in der NPD war mit diesem Namen quasi unausweichlich) steigt in einen anderen Bus. Und ich rolle mal wieder im Schritttempo gen Süden. Wen transportiert wohl die Sonderfahrt? Wie langsam kann man eine Maske anziehen? Sehen meine Haare schon die ganze Zeit so furchtbar aus?

Nööööt!

Lasst Drucker sprechen

Heute morgen mal ein Fundstück aus meiner Strasse. Das musste wohl einfach mal gesagt werden…

Hier regiert heute morgen mal wieder der Fürst der Finsternis. Aber wenigstens ist die Heizung an und es wurde ordentlich desinfiziert. Da ich ausreichend geschlafen habe ist meine Stimmung auch wieder etwas besser.

Zu sehen wie direkt vor einem jemand angefahren wird ist nicht schön. Gott sei Dank ist der Mann gleich wieder aufgestanden und konnte noch ordentlich fluchen. Ganz zwangsläufig kamen da ein paar Gedankenketten in Gang. Wenn der Aufprall bei ca. 30km/h seitlich schon so laut ist, wie klingt es dann bei 80 frontal? Wissen dass man niemandem gewünscht hätte. Ich weiss nur wie es klingt wenn zwei Autos ineinander rasen und welches Geräusch ein Motorradfahrer beim Aufprall nach Flug über eine Motorhaube macht. Und nie werde ich das Geräusch des aufprallenden Autos vergessen dass wenige Meter von meinem Elternhaus entfernt aus den Weinbergen gestürzt war. Und das Gesicht meines Vaters der mich bevor er als Ersthelfer (der nichts mehr zu helfen hatte) hinlief eindringlich ermahnte auf gar keinen Fall hinterher zu kommen. Mein achtjähriges Ich ist heute noch dankbar auf ihn gehört zu haben.

So, jetzt mal ordentlich die Türen aufreissen. Weil is‘ ja Corona!

„Es kommen auch wieder bessere Zeiten.“ Diesen Satz hören Mitarbeiter der Pflege seit Jahren. Und warten geduldig weiter…

So wie ich jetzt auf den nächsten Bus. Und einen Tag im Zelt um die Mitarbeiter zu testen. Es sind sogar vereinzelt Schüler unterwegs. Die tun mir irgendwie ein bisschen leid. Es fahren auch alle Schulbusse. Wahrlich, wir leben in verrückten Zeiten.

Update Rückfahrt

Nach getaner Arbeit bin ich wieder einen Bus früher unterwegs nach Hause. Heute mit Heizung. Und noch hell, weshalb ich des Fahrers wasserstoffblondes Haupt sehen kann. Mit dem bin ich noch nie bis zum Schluss gefahren, mal sehen ob irgendwo gewechselt wird. (Wurde es nicht).

Der Wendler wird aus DSDS rausgeschnitten. Dabei wurde er doch nur wieder falsch verstanden. Es weiss ja wohl jeder dass KZ die Abkürzung für Krisenzentrum ist! Was geht in solchen Schwurbelköpfen vor?

Ja, lieber Fahrer, es ist verdammt kalt draussen. Besonders das Rauchhändchen leidet. Und blöd, wenn man nicht an die Jacke kommt weil die Zigarette schon brennt. Planung ist so wichtig…

Jetzt sind wir schon im Norden der kleinen Großstadt. Und wieder steigt dieser seltsame Mann ein der sich bis zum Hauptbahnhof nicht hinsetzt. Was treibt einen Menschen dazu freiwillig in einem Bus zu stehen? Gerade eingestiegenes Mädel: Dein quasi nicht vorhandener Rock bietet mir aus meiner Perspektive Einblicke die du so wohl nicht beabsichtigt hast. Aber die Hupen haben schön warm.

„Die Polizei hat Kindern den Schlitten weggenommen. Das hat es selbst beim Adolf nicht gegeben.“ Stimmt, bisher gab es meines Wissens noch kein History zum Thema „Hitlers Rodelbahnen“.

Kommen wir heute nochmal von der Porta weg? Ja, das Ordnungsamt hat noch gefehlt. Mein liebes Kind dahinten, ich will auch heim, schreie aber nicht in einer Tonlage die befürchten lässt dass gleich verirrte Fledermäuse an die Scheiben knallen. Waaahnsinn, wir haben es zum Karl-Marx-Haus geschafft. „Starten Sie jetzt in ihr starkes Leben“ steht auf dem Bus vor uns. Wie denn, wenn es hier nicht voran geht?? Ei verbibscht, der Bus kann nicht ausnahmsweise so fahren wie der den die Frau verpasst hat. Das ist aber nicht nett.

NÖÖÖÖÖT!

Why not Friday?

Ja, es ist tatsächlich erst Dienstag. Das finde ich irgendwie doof…

Das Update gestern musste leider wegen schlechter Laune und beeindruckender Ereignislosigkeit entfallen.

Heute morgen mal wieder eine Fahrt mit dem Kommissar, der immerhin das Licht angemacht hat. Und weiss warum er die Jacke anbehalten hat. Er ist heute morgen sehr tapfer, wir sind schon am Verteiler und er hat die Ansage noch nicht abgewürgt.

In Moskau dürfen Frauen jetzt auch U-Bahnen steuern. Herzlich Willkommen im 21. Jahrhundert!

Die Haltestelle Handwerkskammer war dann die Endhaltestelle für die Betonverschiebingsfrau…

Update Rückfahrt

Heute morgen habe ich irgendwie vergessen weiter zu schreiben. Aber nicht weil ich von aufregenden Ereignissen überrollt wurde. Es waren mehr so Produktsuchen bei Amazon, aber das tut jetzt nichts zur Sache.

Jetzt bin ich einen Bus früher auf dem Weg zurück nachdem ich überaus fleissig war. Kockorona nervt mich gerade sehr. Wie irgendwie auch sonst alles.

Die gestern bereits irrtümlich für tot erklärte Schauspielerin ist jetzt wirklich gestorben. Oder auch nicht. Ich war übrigens für die Evangelische Kirchengemeinde Trier lange Zeit tot. Also so richtig. Gemerkt habe ich es als ich für eine Patenschaft eine Bescheinigung brauchte. Bei meinem letzten Umzug hat eine Schnittstelle mich den letzten Weg antreten lassen. („Sie sind ja offensichtlich nicht tot. Das ist jetzt wirklich sehr unangenehm!“) Was dann auch erklärt warum ich nie einen Gemeindebrief bekommen habe. Kirchensteuer habe ich aber immer gezahlt aus meinem kühlen Grab. Inzwischen kann ich mir wieder verschämt in die Kamera blickende Konfirmanden und wer getauft wurde, geheiratet hat und (ab einem gewissen Alter) gestorben ist ansehen. Sehr spannende Lektüre. Es gibt nur noch ein halbes Jahr Konfirmandenunterricht. Ich hatte zwei Jahre und musste alle zwei Wochen Sonntags in die Kirche gehen, mit Unterschrift auf der Anwesenheitsliste. („Die erste Reihe der Burgseite ist wie immer für unsere Konfirmanden reserviert“). Ich weiss bis heute nicht welches die Burg-und welches die Saarseite ist, nur noch dass immer abwechselnd mit dem Abendmahl angefangen wurde. Bei dem man sich bei uns hinterher verneigt. Nicht überall, wie ich mal feststellen musste als mich alle sehr verwundert anschauten. Nun, Winken wäre noch peinlicher gewesen.

Frage des Fahrers: „Wie alt bist du denn?“ Antwort: „Ich soll Elf sagen.“

Ich bin müde, habe Hunger und meine Beine sind kalt. Böse, böse Welt. Warum ist eigentlich alles so anstrengend? Warum hat die Tütenfrau keine Tüten dabei? Warum Warum Warum?

2021 hat begonnen

Jetzt bin ich zum ersten Mal für dieses Jahr auf dem Weg zur Arbeit. Und es ist alles wie immer. Der Fürst der Finsternis regiert, es nieselt und irgendwo quietscht es.

Es hat sich auch sonst nichts gross geändert. Man wacht ja am 01.01. nicht plötzlich auf und hat ein anderes Leben. Kockorona ist auch noch da. Woran ich spätestens am Samstag beim Einkaufen erinnert wurde als vor mir an der Kasse eine Frau mit Handschuhen und Desinfektionsmittel im Anschlag „Abstand, um Gottes willen Abstand“ in meine Richtung rief als die Vorderräder meines Wägelchens die Markierung auf dem Boden berührten. In meinen Kniekehlen spürte ich das Gefährt meines Hintermanns…

Eine erschreckende Erkenntnis der letzten Tage: Ich erinnere mich noch sehr gut an abstruse Handlungsstränge des „Traumschiff“ aus den Achtzigern. Brigitte Horney legt einem Falschspieler (Ivan Desny) das Handwerk, Heidelinde Weis verliebt sich in Klaus Wildbolz (der natürlich kein Matrose sondern Besitzer der Jacht ist), Volker Brandt (in einer Doppelrolle) wird vom Ehemann von Dunja Rajter von der Reling geschubst und Sascha Hehn bandelt mit Anja Kruse an. Die Liebe hat aber keine Chance, denn sie kommt aus Prag und muss „nächste Woche singen auf russische Schiff“. Und dauernd landen Leute bei Dr Schröder in der Krankenkabine. Gert Baltus verliebt sich in Karin Baal obwohl er anfangs ihre Tochter ganz schrecklich findet, Sigmar Solbach stellt fest dass die angebetete Tochter seines Chefs taub ist und Susanne Uhlen ist blind. Insgesamt scheint es in den Achtzigern nur eine Handvoll Schauspieler gegeben zu haben die überall mitgespielt haben. By the way: Was macht eigentlich Evelyn Opela? Wirklich gruselig sind ja immer Szenen wo man weiss das alle beteiligten Schauspieler längst tot sind.

Verleser des Wochenendes: „The roman urins of Trier“. Ja, wer braucht schon Ruinen um eine Stadt attraktiv für Touristen zu machen?

Und dann war jemand so schlau und ist vor der Polizei auf einen Baum geflüchtet nachdem er ein Auto geschrottet hatte. Alkohol, Betäubungsmittel und keine gültige Fahrerlaubnis. Da bleibt einem ja nichts anderes übrig als sich in den Blättern eines Baumes zu verstecken. Halt, irgendwas an dem Plan scheint mir nicht ganz durchdacht, aber ich komme nicht drauf was!

Es ist schon wieder furchtbar langweilig hier. Auch wenn ich mir einbilde es wäre nicht mehr ganz so dunkel draussen. Und noch leuchtet es weihnachtlich. Dem Briefkasten geht es auch gut. Der Fürst ist mal kurz ausgestiegen, warum auch immer. Gott sei Dank hat er von aussen die Tür wieder aufgekriegt. Es ist keine sehr schöne Vorstellung in einem verschlossenen Bus zu sitzen und das Hebelchen (oder was immer es ist) klemmt. Aber ich habe ja direkt neben mir das Hämmerchen…

Und jetzt mal wieder das Warten auf den Bus nach 99. Ich wünschte ich wäre schon da. Oder noch besser: Auf dem Rückweg. Freitag. Es fördert nicht gerade die Motivation wenn man schon weiss wieviel wieder zu tun ist…

Ein letztes Mal für dieses Jahr

Heute morgen habe ich mich dann zum letzten Mal für dieses Jahr auf den Weg zur Arbeit begeben. Der Tag wird kurz und arbeitsreich und ich sehe die drei freien Tage schon am Horizont winken.

Wettermässig gibt 2020 nochmal alles. Nasskaltes Regenwetter mit Gemütlichkeitsfaktor im Minusbereich. Mein Bus fährt wenigstens, die Eifellinie hat wegen Schneeglätte den Betrieb eingestellt.

Update Rückfahrt

Irgendwie habe ich heute morgen vergessen weiterzuschreiben. Es war mal wieder spektakulär langweilig.

Und schon sitze ich nur vier Stunden später schon wieder im Bus nach Hause. Es ist alles erledigt für dieses Jahr und ich konnte sogar noch früher gehen als geplant.

Da es ja noch hell ist habe ich volle Sicht auf den Fahrer. Rotes Sweatshirt, rotes Käppi, dem Geruch nach frisch geduscht und rasiert. Und das wovon ich zuerst dachte es wäre ein Klappern am Bus war die Musik. Jetzt singt eine russische Sängerin die anscheinend alle gut finden, das Lied kenne ich schon. Shazam hat leider kein Ergebnis. Und jetzt klingt es wie mein Staubsauger wenn der Beutel voll ist. Andere Länder, andere Sounds.

„Wenn Sie uns einen sicheren Ablageort für Ihre Sendung nennen wollen können Sie dies auf unserer Internetseite tun.“ Okay, werfen Sie das Päckchen in die Mülltonne die vor dem Haus steht. Aber bitte nur wenn schon geleert wurde. Ansonsten quetschen sie es einfach in gewohnter Manier in den Briefschlitz oder nehmen es wieder mit damit ich es in einem Paketshop in einer Strasse von der ich noch nie gehört habe am Ende der Welt abholen kann.

Zeit für ein Telefonat mit ausgiebigem Handwedeln. Sieht aus als wäre eine sehr lästige Mücke in der Kabine.

Awww, jetzt hat der Kerl der eben an der Haltestelle so ausgiebig verabschiedet wurde schon angerufen. Man ist ja auch schon zwei Haltestellen getrennt, das hält ja keiner aus. Toll, wegen Corona nicht nebeneinandersitzen wollen und sich dann beim über mehrere Sitze schreien nicht verstehen. Ich komme mir gerade vor wie in unserem Speisesaal. Und russische Radiowerbung ist genauso nervig wie unsere.

„Papst sagt Gottesdienste wegen Rückenschmerzen ab.“ Steilvorlage für Comedians und solche die sich dafür halten. Rücken=Kreuz, hö hö. Wie viele Früh- Spät- und Nachtdienste wohl nicht wegen Rückenschmerzen abgesagt werden?

A propos Comedians: Kann ich bitte mal die Person kennenlernen die Chris Tall erzählt hat er wäre witzig? Wir müssen reden.

Hier läuft jetzt „I want it all“ von Queen. Kurz vor dem Ziel geht die Party richtig ab!

Und jetzt bin ich schon im Bus gen Süden und freue mich auf ein ruhiges Silvester ohne Flakgeschütze und Stalinorgeln in der Nachbarschaft. Wahrscheinlich werde ich den Jahreswechsel verschlafen.